Eine Brücke, die keine Einbahnstraße ist
Unsere Aufgabe als Christliche Flüchtlingshilfe Egelsbach/Erzhausen (CFEE) sehe ich darin, Brücken zu bauen. Nicht alle Menschen starten unter denselben Voraussetzungen. Manche können über diese Brücke schnell und selbstständig gehen. Manche brauchen mehr Zeit. Und manche benötigen zunächst Begleitung und Orientierung, um überhaupt die Sicherheit für den ersten Schritt zu gewinnen. Wir können ihnen ihren Weg nicht abnehmen. Aber wir können ihn zugänglich machen. Wir können beraten, erklären, begleiten und Möglichkeiten aufzeigen. In diesem Sinne sind wir auch Wegweiser. Gehen müssen die Menschen ihren Weg selbst.
Doch diese Brücke darf keine Einbahnstraße sein. Wenn wir über Geflüchtete sprechen, sehen wir häufig zuerst das, was ihnen fehlt: Deutschkenntnisse, Arbeit, eine Wohnung, Orientierung oder bestimmte Nachweise. Dabei vergessen wir leicht, was sie mitbringen: Lebenserfahrung, Wissen, Berufe, Fähigkeiten, familiäre Erfahrungen, Ideen und andere Perspektiven. Auch wir können von ihnen lernen.
Teilhabe bedeutet deshalb nicht, dass sich ausschließlich diejenigen bewegen müssen, die neu zu uns kommen. Begegnung kann beide Seiten verändern. Dazu braucht es nicht immer eine professionelle Beratungsstelle. Jeder Mensch kann etwas beitragen: zuhören, geduldig erklären, jemanden einbeziehen, Kontakte ermöglichen und vor allem einem Menschen etwas zutrauen. Manchmal beginnt Zugehörigkeit mit einer ganz einfachen Erfahrung: Ich werde gesehen.
Vielleicht ist genau das unsere gemeinsame Aufgabe: Brücken zu bauen, Wege zu zeigen und Menschen zuzutrauen, diese Wege selbst zu gehen – und gleichzeitig offen dafür zu sein, dass uns auf dieser Brücke auch etwas entgegenkommt.
- zrt -