Wenn die Angst im Inneren bleibt
Für manche Menschen reicht die äußere Sicherheit zunächst nicht aus. Frau K. kam vor etwa zweieinhalb Jahren mit ihrem kleinen Kind aus dem Irak nach Deutschland. Sie hatte in ihrer Ehe schwere Gewalt, Bedrohung und Vergewaltigung erlebt. Ihr Kind ist aus dieser Gewalterfahrung hervorgegangen. Als sie Deutschland erreichte, war die unmittelbare Gewalt weit entfernt. Ihre Folgen waren es nicht. Sie war psychisch stark belastet und brauchte zunächst etwas viel Grundlegenderes als einen Sprachkurs oder eine berufliche Perspektive: Sie musste erfahren können, dass sie und ihr Kind tatsächlich sicher sind. Durch engmaschige Begleitung und psychologische Unterstützung gewann sie nach und nach Stabilität. Heute geht es ihr deutlich besser. Sie fühlt sich sicherer und beginnt, ihr Leben wieder selbst zu gestalten. Inzwischen ist sie auch in der Lage, Deutsch zu lernen und sich mit ihrer Zukunft zu beschäftigen. Ihre Geschichte zeigt, dass der erste Schritt zur Integration manchmal nicht darin bestehen kann, möglichst schnell etwas zu leisten. Manchmal muss ein Mensch zunächst wieder genügend Sicherheit gewinnen, um überhaupt lernen, Entscheidungen treffen und eine Zukunft planen zu können.