Mütter investieren ihre Kraft in die Zukunft ihrer Kinder
In meiner Arbeit begegne ich auch vielen Frauen aus Somalia und anderen Ländern am Horn von Afrika, die mit ihren Kindern unter sehr schwierigen Bedingungen nach Europa gekommen sind. Viele tragen die Verantwortung für ihre Kinder allein. Familien wurden durch Krieg, Gewalt und Flucht auseinandergerissen. Was mich bei diesen Frauen besonders beeindruckt, ist ihr Wunsch, ihren Kindern eine andere Zukunft zu ermöglichen. Sie möchten verhindern, dass ihre Kinder ebenfalls von Gewalt und Unsicherheit bestimmt werden. Besonders groß ist bei manchen die Sorge, dass ihre Söhne eines Tages selbst in Gewalt und bewaffnete Konflikte hineingezogen werden könnten. In Deutschland angekommen, müssen die Mütter Schule, Kindergarten, Arzttermine, Behörden und den gesamten Familienalltag bewältigen – häufig mit sehr geringen Deutschkenntnissen. Trotzdem erlebe ich, wie aufmerksam sie darauf achten, dass ihre Kinder zur Schule gehen, lernen, Freundschaften aufbauen und eine Ausbildungsperspektive entwickeln. Diese Leistung bleibt manchmal unsichtbar. Denn die enorme Verantwortung für die Kinder kostet Kraft und Zeit. Gerade alleinerziehende Mütter haben dadurch weniger Möglichkeiten, selbst regelmäßig Deutsch zu lernen oder eine berufliche Perspektive aufzubauen. Von außen kann dann der Eindruck entstehen, die Frau selbst komme bei ihrer Integration nicht voran. Meine Erfahrung ist häufig eine andere: Ein großer Teil ihrer Kraft fließt zunächst in die Integration ihrer Kinder. Sie geben ihren Kindern etwas, das sie selbst lange nicht hatten: Sicherheit und Perspektive.